Peace20.08.2024

Das Wichtigste vorweg: alle, vor allem die Jüngeren unter uns, kennen das PEACE-Zeichen als das Symbol für den Frieden. Die Entstehung und evtl. verborgene Symbolik werden nicht hinterfragt. Sie zeichnen es einfach als ihr Symbol für das Bestreben nach Frieden.

Wieder einmal stellt sich die Frage, was für eine Story und geheime Botschaft sich dahinter verbirgt. Die Anhänger des keltischen Lebensbaums sehen einen umgekehrten Baum mit der Botschaft „Krieg und Tod“. Wenn dieser sich auch noch an die Regenbogenfarben annähert, ist der Aufschrei in der Ablehnung der vereinnahmten Symbolik groß.

Sollen wir uns ernsthaft dieses weltweit bekannte Symbol umdeuten lassen?

Nein!

Peace (engl.) bleibt Frieden, egal woher das Symbol kommt. Wichtig ist, was die Menschen mit den Symbolen verbinden. In der Bibel ist der Regenbogen ein Zeichen für den Bund zwischen Gott und den Menschen. Die Farben des Regenbogens stehen für die Auffächerung von reinem Weiß und symbolisieren damit die Vielfältigkeit der Menschen in allen ihren Facetten.

Vereinnahmendes überstrapazieren von bewährten Symbolen für die eigenen Zwecke kennzeichnet unsere Zeit.

Setzt euch für den Frieden ein und werdet friedenstüchtig.

Die offizielle Erklärung der Zeichenentstehung:

„Eine britische Anti-Atomkriegs-Initiative sucht für ihren an Ostern 1958 geplanten Protestmarsch ein Emblem. Der Grafikdesigner und Künstler Gerald Holtom soll es entwerfen. Am 21. Februar präsentiert er seine Skizzen. Später übernimmt die aus der Initiative und anderen Bewegungen entstandene Campaign for Nuclear Disarmament (Kampagne für nukleare Abrüstung) das Logo. Daher wird es in Großbritannien nach deren Abkürzung auch CND-Symbol genannt.

Holtom selbst gibt zwei Erklärungen. Die erste weist auf das Winkeralphabet aus der Schifffahrt, mit dem Lotsen anhand zweier Flaggen miteinander kommunizieren. Legt man die Armstellungen für die Buchstaben N und D für Nuclear Disarmament übereinander, ergibt sich der bekannte Hühnerfuß. Der Kreis zeigt dann die Erde. Später liefert der Designer noch eine persönlichere Interpretation nach: „Ich war verzweifelt. Zutiefst verzweifelt. Ich malte mich selbst als typisches Beispiel für einen einzelnen hoffnungslosen Menschen, die Handflächen nach außen und unten gestreckt.“ Dann will er die Zeichnung zu Strichen und Kreis vereinfacht haben.

Bald schwappt es über den Atlantik in die „Make Love Not War“-Generation und wird schnell mit den Protesten gegen den Vietnamkrieg assoziiert. Die Bedeutung verschiebt sich im Laufe der Zeit von der ursprünglichen Forderung nach atomarer Abrüstung zu universeller Anti-Kriegs-Haltung.

Wie kommt das Zeichen auf die Umhängetasche?
Um es möglichst weit zu verbreiten, verzichtet Holtom bewusst darauf, seinen Entwurf urheberrechtlich schützen zu lassen. Das Design wird millionenfach genutzt – und das nicht nur in der Friedensbewegung. T-Shirts, Tassen, Schmuck, Kissenbezüge oder Ecstasy-Pillen – es gibt kaum etwas, das noch nicht mit dem Label verziert wurde. Aber auch abseits der Kommerzialisierung erlebt das Symbol immer wieder eine Art politisches Revival. So wird es zum Beispiel im November 2015 nach den Terrorattacken in Paris abgewandelt: Die Striche im Kreis stellen den Eiffelturm dar, Wahrzeichen der französischen Hauptstadt.

Etwas paradox ist es schon, dass ausgerechnet das Friedenszeichen auf militärischer Zeichensprache basiert. Das hat später offenbar auch den Kriegsdienstverweigerer Gerald Holtom selbst gestört. In der Zeitschrift «Peace News» distanzierte er sich von seiner ursprünglichen Erklärung des Zeichens und sagte nun, er sei damals zutiefst verzweifelt gewesen und habe sich bloss selber gezeichnet: einen wehrlosen Menschen mit nach unten gestreckten Armen.“