22.06.2026
Das gilt leider für jede Institution, Partei oder Sachverhalt, wenn die wirklichen Intentionen des Sendenden von den Erwartungen des Empfänger abweicht. Wie es in dem Auszug des Gesprächs mit Robert Stein und Alexander Wagandt pointiert wurde.
Zur Verdeutlichung hier eine Legende um den weltbekannten Schriftsteller Mark Twain: als hochgeschätzter Gast eingeladen, verspätete er sich. Bei der Haustürbegrüßung danach gefragt – „Es tue ihm leid, aber er habe gerade 2 Menschen umgebracht und hätte sie verschwinden lassen müssen“. Der Gastgeber schüttelte erfreut die Hand und bekundete, dass seine Verspätung keine Umstände mache und sie sich alle über seine Anwesenheit freuen.
So hat die situationsbedingte Erwartungshaltung des Empfängers die Information des Senders grandios überdeckt. Manche Erwatungshaltungen gegenüber Parteien scheinen nach gleichem Muster ausgestaltet zu sein. Als erster Punkt fällt die „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“-Haltung der Politiker auf. Dies und das Nichteinhalten der Parteiprogramme lässt das Volk mit einer unqualifizierten Qual der Wahl zurück. Anscheinend soll die kurzfristige Beeinflussungsmöglichkeit aufrecht erhalten bleiben, um genereller Unzufriedenheit begegnen zu können.
Sind wir gespannt, wie sich Parteienkultur und Politiker mit diesem systematischen Konflikt auseinandersetzen. Eine immer weniger unterscheidbare Parteienlanschaft fördert die Polarisierung und räumt dem Populismus eine zu hohe Gewichtung ein. Sollte nicht der Parteizwang der Abgeordneten sachthemenbezogen aufgehoben werden, um dem Wohl des Landes zu dienen und die Schwächung des bestehenden Machtgefüges in Kauf genommen zu werden? Schöner Gedanke, wäre da nicht die strukturellen Machtinteressen der Parteien mit ihren etablierten Karriereleiter und Lobbyarbeit mit ihrer, die Korruption nicht ausschließenden Hintergrundarbeit. Eine neue Ethik mit selbstverpflichtender und/oder vorgeschriebener Haftung (zumindest politisch) könnte hier für mehr Klarheit für den souveränen Wähler schaffen.
Kriegstüchtigkeit ist kein akzeptables Ziel, sich tüchtig für den Frieden einsetzen dagegen schon.
Es lebe der Frieden, die Freiheit und die Demokratie.
